Connection Stories

Dieses Kapitel dient der Verbindung mit dem, was uns wirklich wichtig ist. Verbindung zu anderen Menschen bekommen wir sehr oft über Geschichten die uns berühren. Auf dieser Seite werden Geschichten gesammelt, die in Zusammenhang zu einem Thema der Gewaltfreien Kommunikation stehen und veröffentlicht. Wer eine Geschichte beitragen möchte, ist eingeladen sie zuzusenden und erhält als Wertschätzung für diesen Beitrag eine kostenlose Teilnahme an einer GfK-Übungsgruppe.

Bedürfnissen Raum schaffen - von Ilse Neunteufel
Fremde Wirklichkeit verstehen - von Martin Danesch
Konflikte in Versöhnung umwandeln - von Tanja Doboczky


Bedürfnissen Raum schaffen ...  Zum Seitenanfang

Einmal die Woche ziehen wir mit den Kindern des Kinderraums (private Einrichtung in Klagenfurt) los, um unsere Gegend zu erforschen. Wir nehmen uns ganz bewußt Zeit, den Weg zu erleben - das Ziel ist für die Kinder zwischen 3 und 6 noch Nebensache. Der Aufstieg auf den Hügel am Stiftkogel ist an sich bereits ein Abenteuer zwischen Waldboden, Gerüchen, ersten Erdbeeren, Spinnen und Käfern, kleinen und großen Ästen und Stöcken von denen jeder seine eigene Faszination hat ... An diesem Tag hatten wir gerade unseren Rast- und Jausenplatz erreicht, einen großen Steinehaufen am Waldrand der einen idylischen Blick auf Klagenfurt und den Wörthersee preisgibt . Die angrenzente Wiese duftete vom frisch gemähten Gras, das Heu wurde eben gewendet und der Anblick war eine Einladung für sich.
Während einige Kinder noch jausneten, kletterte ich mit den ganz wagemutigen jeweils einzeln auf einen nahegelegenen Hochsitz. Zu diesem Zeitpunkt kam der Besitzer der Felder mit seinem Traktor gefahren und erklärte meiner Kollegin ärgerlich wie oft er Stöcke von seiner Wiese entfernen müsse und daß wir bei unsrem letzten Ausflug mitten in seiner Wiese gerastet hätten und Gras niedergetreten blieb.

Als ich wieder vom Hochsitz stieg, war die Stimmung unter den Kindern traurig und betreten - sie hatten sich schon darauf gefreut im frisch gewendeten Heu herumzuhüpfen-wann gibts die Gelegenheit schon, jetzt traute sich niemand mehr ... meine Kollegin hatte eingewilligt, dass wir keine Stöcke mehr liegen lassen würden und auch keine seiner hohen Wiesen mehr zum Rasten benützen würden. Ich konnte die Trauer der Kinder gut verstehen, auch mir hatte das Herz gehüpft beim Gedanken an das frische Heu. Den Bauern nochmals zu verärgern kam nicht in Frage, jedoch deshalb einfach unsere Wünsche aufgeben? Nein. So berieten wir uns und überlegten ...

Schließlich marschierten wir zum Bauernhof, wohin sich der Bauer inzwischen zurückgezogen hatte. Er war gerade dabei, den Heuwender zu putzen und etwas
verwundert uns schon wieder zu sehen.

Als ich ihn auf seinen geäußerten Ärger ansprach, murmelte er erst noch ein wenig vor sich hin, schüttete uns jedoch dann sein Herz aus über das Verhalten vieler Leute und wir hörten alle ruhig und interessiert zu. Dann kam tatsächlich der Moment an dem er nichts mehr zu sagen wußte und ich einhakte um die Bitte der Kinder am Heuhüpfen vorzubringen. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen, was er auch äußerte. Da kamen mir jedoch die Kinder zu Hilfe, die seine Putzarbeiten am Heuwender ausgiebig bestaunten und viele Fragen stellten - das Eis war gerochen - nach einer Weile und nach dem wir versprochen hatten sämtlich Stöcke wieder wegzuräumen und das Heu nach unsrer Hüpoferei wieder gleichmäßig zu verteilen, willigte er ein. Wir haben den Vormittag in voller Seligkeit verbracht, beim Balgen im Heu, dem Bauen von Heunestern und mit vielen Halmen, die wir wieder aus Haaren und Kleidern schütteln mußten. Ich meine ein Schmunzeln auf dem Gesicht des Bauers gesehen zu haben, als wir den Hof verließen und zur Heuwiese flitzten.  Zum Seitenanfang

Ilse Neunteufel - Montessoripädagogin, Pädagoische Leitung Kinder- und Lernraum


Fremde Wirklichkeit verstehen  Zum Seitenanfang

Vor einigen Jahren war bei einem Kunden Software auf eine neue Version umzustellen. Diese Programmversion bedingt Internetanbindung, um stets die neuen Versionen herunterladen zu können bzw. für die Fernwartung. Bereits die Damen der Buchhaltung sagten zu mir "Das wird der Chef nie erlauben!" - "Warum nicht?" - "Weil er kein Internet mag."

Ich bat den Chef um ein Gespräch. Irgendeinen Grund muß er ja haben, daß er Internet ablehnt, dachte ich mir. Mal sehen, was es wohl sein mag. Ich sprach ihn darauf an, daß ich gehört hätte, daß für ihn eine Internetanbindung nicht in Frage käme. "Richtig, so ist es" antwortete er. "Ist ihnen bekannt, daß das heute eine übliche Vorgangsweise in der Branche ist?" - "Ja, natürlich, aber in meine Firma kommt kein Internet." - "Ich verstehe. Haben sie einen bestimmten Grund dafür?" - "Ich möchte auf keinen Fall, daß jemand von außen in meine Buchhaltung sehen kann!" - "Befürchten sie das?" - "Ja, denn wenn der Computer am Internet hängt, dann kann jeder hineinsehen." - "Woher haben sie diese Information?" - "Das liest man doch in der Zeitung und jeder redet von Viren, Einbrüchen via Internet usw.!"

Nun wußte ich, um was sich seine Angst dreht. Durch die rundum üblichen 'wichtigen' aber nichts desto weniger meist unqualifizierten Aussagen von Bekannten und den Medien war er stark verunsichert. Das ist auch durchaus verständlich, er ist ja auch kein Fachmann auf diesem Gebiet. Ich nahm mir daruafhin genug Zeit, um ihm zu erklären, wie es sich mit einer Internetanbindung verhält, welche Sicherheitsmöglichkeiten es gibt, daß ein dichter 'Tunnel' gelegt werden kann, der nur zwei ganz bestimmte Computer miteinander verbindet und mehr. Nach einer Viertelstunde begann er sich zu entspannen und nach weiteren fünfzehn Minuten war er bereit, den Internetanschluß zu bewilligen. Die Damen in der Buchhaltung staunten sehr. Das Problem war letztlich nur, daß sich niemand für seine Wirklichkeit interessiert hatte. Dadurch er mir seine Vorwände offenlegte, konnte ich ihm konkrete Informationen zu seinem Fall geben und so auf sein Bedürfnis nach Sicherheit eingehen.

Ich glaube, daß fast jede Auseinandersetzung darauf gründet, daß wir uns nicht oder zu wenig mit der Wirklichkeit unseres Gegenübers auseinandersetzen. Hören wir nicht immer wieder: 'Du verstehst mich nicht!'...? Jeder hat doch das Bedürfnis verstanden oder zumindest gehört zu werden. Ich finde, es macht Freude, anderen diese kleine Aufmerksamkeit zu geben (auch wenn es mir leider nicht immer gelinget, weil offenbar auch meine alten Muster manchmal noch gehört werden wollen ;-) ).  Zum Seitenanfang

Martin Danesch - Geschäftsführer KEOPS GmbH, Trainer für Persönlichkeitsentwicklung - www.freiesich.at


Konflikte in Versöhnung umwandeln

Jeder von uns kennt die Situationen, wo man merkt, etwas passt nicht zwischen zwei Menschen. Entweder merkt es nur einer oder doch beide, doch niemand traut sich, etwas anzusprechen. Aus Angst, der andere könnte einen nicht verstehen, oder sein Anliegen nicht nachvollziehen, oder vielleicht bildet man sich auch das Ganze nur ein... etc.. Es gibt viele Gründe und Ausreden, die man parat hat, um den (scheinbaren) Konflikt nicht anzusprechen und ihm aus dem Weg zu gehen. Die Zeit heilt ja bekanntlich auch alle Wunden ;-)

Vor allem in Partnerschaften und Freundschaften kommen solche Situationen ja öfters vor. So passierte dies auch mir immer wieder, und auch ich merkte immer, wie gut ich diese Konflikte mit mir rumtragen konnte, ohne sie anzusprechen. Stattdessen war ich Meisterin im Interpretieren des Verhaltens des anderen. Und die Spirale drehte sich immer mehr ins Negative, da der anfängliche Konflikt, welcher ja noch klein gewesen wäre, immer grösser wird. Vielleicht kennen ja auch einige die nette Geschicht mit dem Hammer von Paul Watzlawick... :-)

Durch die GfK ist mir klar geworden, wie leicht es sein kann, Konflikte anzusprechen. Denn bisher war meine Strategie immer die, beim anderen ein Fehlverhalten zu suchen und ihm dieses klarzumachen, und dass es mir durch sein Fehlverhalten schlecht geht bzw ich dadurch Probleme habe. Die GfK hingegen hat mich gelehrt, bei solch einer Situation bei mir zu bleiben. Zu schauen, welches Verhalten des anderen führt zu meinem Unwohlsein, und welche Gefühle werden dadurch bei mir hervorgerufen, und vor allem, welche meiner Bedürfnisse werden dadurch nicht erfüllt. Und dieses im "Konfliktgespräch" auch so zu kommunizieren. Somit hat man jede Berechtigung, sich selbst und seinen Gefühlen zu vertrauen und auch alles anzusprechen, auch wenn es für andere Personen nicht nachvollziehbar ist. Und die "Interpretationsspirale" wird dadurch auch vermieden! Ich sehe es mittlerweile als eine tolle Herausforderung, Konflikte anzusprechen, denn mit der Art und Weise der GfK zu kommunzieren, bringt Menschen immer in Versöhnung, und aus einem Konfliktgespräch wird ein "Versöhnungsgespräch", nachdem sich immer beide Parteien besser fühlen und sich näher gekommen sind, weil zumindest einer angefangen hat, mit dem Herzen zu sprechen.

So ist es mir zum Beispiel mit einer lieben Nachbarin gerade ergangen. Wir haben uns kennengelernt, und uns auch gleich sehr gut miteinander verstanden. Haben den ähnlichen Schmäh und es gab immer etwas zu Lachen. Darüberhinaus hat sie auch 3 Kinder (2 davon schon älter), meine 3 sind noch jünger. Und da kam es dann auch so, dass eines ihrer Kinder mal für einen Abend auf 2 von meinen aufgepasst hat. Und über die Bezahlung wurde nicht genauer gesprochen, sondern so, ja ja, die Beate (Name von Redaktion geändert J) passt ja gerne auf, und ja ja, zahl nur, was du meinst, und ja ja, das ist Sache von Beate... usw...

Und ich hatte natürlich eine Unsicherheit dabei, weil wenn man gut befreundet ist, ist das immer so eine Sache mit dem Geld. Ja, und dann passte Beate auf meine Kids auf, und es hat alles super geklappt, ich geb der Beate ein Geld (aus meiner Sicht angemessen, jedoch weniger, wie ich sonst zahlen würde, denn ich hatte das Gefühl, dass ich der Beate ja nicht zuviel geben darf). Ja, und dann die folgenden Tage, als ich meine Nachbarin ein paar Mal immer so treffe beim Spazierengehen, war irgendwas anders. Sie war zurückhaltend und distanziert – zumindest habe ich es so empfunden. Sie hat auch nicht mehr angerufen, und ich merkte irgendwas passt nicht. Und natürlich ist es so, dass in meinem Kopf alles mögliche abgeht an Interpretationen, warum sie so distanziert ist usw... Ja, und dann dachte ich mir, das es mir jedoch wichtig ist, mit dieser Nachbarin ein gutes Verhältnis zu haben, dass mir unsere Freundschaft wichtig ist, und was auch immer vorgefallen ist, ich das mit ihr besprechen möchte. Ich fasste mir ein Herz, und bat sie um ein Gespräch. Und als es dann endlich zu diesem Gespräch kam (das dauerte auch noch ca. 2 Wochen), und ich in der GfK-Sprache ihr meine Gefühle (Unsicherheit, Unwohlsein) und meine Bedürfnisse (die Freundschaft, Klärung von Missverständnissen) mitteilte, war es dann auch so, dass da was mit der Bezahlung ihrer Tochter war, dass sie das Gefühl hatte, dass es zuwenig war, obwohl sie sich nicht einmischen wollte. Und ich hingegen, dachte mir, ich zahle eh schon zuviel, denn sie möchte nicht, dass Beate viel Geld kriegt, da wir ja befreundet sind. Ja, und als das alles angesprochen war, und klar war, welch kleines Missverständnis zu solch unguten Gefühlen geführt hat, konnte sich alles in Versöhnung auflösen, und jeder weiss, was dem anderen wichtig ist, und was man in Zukunft anders machen wird!

Tanja Doboczky, Ringana-Beratung, www.frische-werkstatt.at